Landkarte

Rechtsanwaltskanzlei JUDr. Oldřich Ševčík

JUDr. Oldřich Ševčík - beruflicher Werdegang

Mein Name ist Oldřich Ševčík.

Ich bin 1956 in Brünn geboren, ich entstamme dem Stadtviertel Neu Tschernowitz [Nové Černovice].

Im Jahre 1979 gelang es mir über Ungarn und Jugoslawien nach Italien und Österreich illegal auszuwandern. Ich nutzte die Situation aus. Kurz davor traf nämlich Rumänien die Maßnahme, Benzin an Ausländer nur gegen Fremdwährung zu verkaufen, so war es kurze Zeit erlaubt, nach Bulgarien über Jugoslawien zu reisen. Ich täuschte daher eine Reise nach Bulgarien vor und konnte somit nach Jugoslawien gelangen. Von dort aus fuhr ich jedoch nicht nach Bulgarien weiter, sondern nach Italien und später nach Österreich. 1980 erhielt ich Aufenthaltserlaubnis für die USA und im Januar 1981 konnte ich nach Las Vegas in Nevada fliegen.

In Las Vegas arbeitete ich anfangs in verschiedenen Spielcasinos, dann nur in einem Casino und einem Immobilienbüro. Von 1985 bis 1988 diente ich in den US-amerikanischen Streitkräften und errang den Dienstgrad eines Sergeants. Nach dem Wehrdienst kehrte ich wieder nach Las Vegas zurück. Nach gewissem Zögern blieb ich in der Army nicht mehr, obwohl ich nach dem Vertragsablauf einen neuen Vertragsabschluss überlegte. Der Wehrdienst war für mich sehr aufschlussreich. Ich erfuhr vieles, lernte vieles, gewann an gewisser Selbständigkeit und verbesserte mein Englisch und Spanisch. Ich war nämlich viel im Umgang mit Spanisch sprechenden Soldaten, die ich ausgesprochen auszusuchen pflegte, um mit ihnen zu kommunizieren. Sie waren mir aber auch sonst sympathisch, denn sie liegen unserer Mentalität sehr nahe. Nach drei Jahren verließ ich also die Army. Bis heute aber blieb die Liebe zur Army, ich bin ihr dankbar und werde mich zu den US-Streitkräften immer stolz bekennen. Damals spürte ich jedoch, dass meine Bestimmung bereits anders liegt, und wollte vor allem auf die Uni zurück. Ich studierte an der staatlichen University of Nevada, Las Vegas. Davor und während des Studiums besuchte ich auch die Mohave Community College sowie die Clark County Community College; dies sind die sogenannten Junior Colleges, d.h. nur zweijährige Schulen, die dort absolvierten Kurse werden jedoch an der University of Nevada, Las Vegas, abgekürzt UNLV, oder anderen Universitäten anerkannt. Seit 1988 verdiente ich meinen Lebensunterhalt weiterhin im Casino und Immobilienbüro und studierte dabei an der UNLV, wo ich meinen Abschluss im Jahre 1991 machte. Im Mai desselben Jahres kehrte ich in die Tschechoslowakei, meine Heimat zurück, wo 1989 die politische Wende zustande kam.

Im Jahre 1991 begann ich an der Juristischen Fakultät der Masaryk Universität in Brünn zu studieren, wo ich 1997 meinen Magister-Abschluss (Abkürzung Mgr.) erwarb. Meine Diplomarbeit schrieb und verteidigte ich am Institut für Verfassungsrecht und Politologie mit dem Titel „Verfassung des Bundesstaates Illinois“. In dieser Arbeit hob ich die Bedeutung der Verfassung dieses Bundesstaates für dessen Einwohner hervor, beschrieb die geschichtliche Entwicklung und legte weitere grundlegende Angaben dar.

1998 ließ ich mich als Rechtsanwaltsanwärter einstellen und sammelte in mehreren Anwaltskanzleien meine Berufserfahrungen. Für den Beruf des Rechtsanwaltes entschied ich mich bereits in den Vereinigten Staaten. Davor hatte ich für das Recht wenig Interesse. Jedoch in den Staaten kam die Begeisterung. Ich sah, wie Rechtsanwälte für ihre Mandanten kämpfen, deren Bürgerrechte und Freiheiten verteidigen, sich gegen Diskriminierung einsetzen und Besitz- und Machtlose verteidigen bzw. ihnen dazu verhelfen, den Ausweg aus einer unverschuldet schwierigen Lebenslage zu finden. Bei meiner Beschäftigung als Rechtsanwaltsanwärter neigte ich eindeutig zum Strafrecht, d.h. zur Verteidigung in Strafsachen hin.

2002 meldete ich mich zum Rigorosum-Verfahren an, d.h. zur mündlichen Prüfung und Verteidigung meiner Dissertation. Diese Doktorarbeit hieß „Stellenwert von Verfassungen der einzelnen US-Bundesstaaten“. Für diese Arbeit übersetzte ich als ihre Anlage die Unabhängigkeitserklärung und Verfassung der Vereinigten Staaten sowie die Verfassungen von Louisiana und Arizona und analysierte deren Grundsätze und Bedeutung. Beispielsweise garantiert die Bundesverfassung das Recht des Angeklagten auf den Prozess vor einem Schwurgericht, der aus mehreren örtlichen Mitbürgern besteht. Die Bundesverfassung wird jedoch von dem Obersten Gerichtshof der USA ausgelegt und dieser hat entschieden, dass in ausgesprochenen Bagatellfällen nur ein Alleinrichter den Angeklagten verurteilen kann, ohne das Schwurgericht einzuberufen. Die Verfassungen einiger Bundesstaaten gehen dagegen bei dem Schutz ihrer Bürger weiter als die Bundesverfassung bzw. der Oberste Gerichtshof und garantieren das Recht auf Erörterung vor Schwurgericht in allen Fällen. Die einzelnen States Verfassungen regeln ebenfalls die Funktionsweise des Bundesstaates, die Amtszeit des Gouverneurs etc. Es handelt sich um eine sehr umfassende Problematik. In den USA gibt es nicht ein einziges Rechtssystem, das föderale und das bundesstaatliche Recht bestehen dort nebeneinander. Darüber hinaus ist es abwechslungshalber zu erwähnen, dass noch z.B. das Indianerrecht daneben steht. Die Indianer richten sich nach eigenen Gesetzen und kümmern sich um die Verfassung des jeweiligen Staates oder die des Bundes wenig. Dies gilt natürlich nur für Indianer, die in Reservaten leben.

Nach Ablegen des Rigorosums, Vorlage und erfolgreicher Verteidigung der Doktorarbeit vor der Prüfkommission wurde ich im Oktober 2002 zum Doktor beider Rechte, also iuris utriusque doctor, abgekürzt JUDr., promoviert. Das Rigorosum-Verfahren absolvierte ich an dem Institut für Verfassungsrecht und Politologie der Juristischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brünn [Brno], wo ich davor auch meine Diplomarbeit verteidigt hatte. Den akademischen Grad erwarb ich also nicht an einer fragwürdigen Institution oder gar durch irgendein Korrespondenzstudium, sondern wirklich redlich.

Ich war weiterhin als Rechtsanwaltsanwärter beschäftigt bestand im Dezember 2006 das zweite juristische Staatsexamen. Dieser Rechtsanwaltsprüfung gingen noch zwei von der Tschechischen Rechtsanwaltskammer organisierte wöchentliche Schulungen vor. Die einleitende Schulung fand in Seč statt. Zum Abschluss meiner Praxis als Anwaltsanwärter nahm ich an der zweiten Schulung in Špindlerův Mlýn teil. Außer diesen zwei Wochenschulungen absolvierte ich rund zwanzig Tages- oder Halbtagsseminare, ebenfalls unter der Gestion der Tschechischen RA-Kammer. All diese Schulungen fanden in der Arbeitszeit statt, man musste unbezahlte Freistellung nehmen und bei den Wochenveranstaltungen sämtliche Reisespesen, Unterkunft und Verpflegung selbst tragen. Als ich an der Juristischen Fakultät studierte und noch bei meiner Beschäftigung als Anwaltsanwärter verdiente ich als Dolmetscher und Übersetzer dazu.

Seit Januar 2007 bin ich zugelassener Rechtsanwalt. Ich bin selbständig, d.h. in keiner größeren Anwaltskanzlei beschäftigt, pflege jedoch Zusammenarbeit mit anderen, auch selbständigen Rechtsanwälten.

Derzeit befindet sich mein Sitz unter der Anschrift Malinovského náměstí 4, 660 87 Brno. Mein Schwerpunkt ist die Allgemeinpraxis, meistens übernehme ich Verteidigung bei allgemeinen Straftaten, Verkehrsunfällen und im geringeren Maße in Fällen der Wirtschaftskriminalität sowie in anderen Rechtsbereichen wie Zivil- oder Familienrecht. Meine Rechtsvertretung ist vor allem für Einzelpersonen bestimmt.

Mein Haupanliegen ist der Schutz von Menschen- und Bürgerrechten, nationaler Gleichheit und Religionsfreiheit, der Kampf gegen jegliche Diskriminierung. Auch interessiere ich mich für das Verfassungsrecht, Verfassungsbeschwerden lege ich jedoch fast so gut wie gar nicht ein, denn es ist sehr zeitaufwendig mit geringen Erfolgschancen, daher strebe ich an, die Sache bereits im Vorverfahren beizulegen, wenn z.B. eine Vereinbarung über Schuld und Strafe u.ä. auszuhandeln ist.

Mein großes Interesse gilt der Funktionsweise des Schwurgerichtssystems in Ländern, die kein totalitäres Regime erleben mussten, ich setze mich für Aufklärung der Öffentlichkeit über dieses Gerichtssystem ein, damit Bürger, wenn Schwurgerichte in der Tschechischen Republik hoffentlich wieder eingeführt werden, über deren Sinn und Verfahrensablauf informiert sind.

Des Weiteren interessiere ich mich für die Gesamtreform der tschechischen Gerichtsbarkeit, die Trennung von dem vergangenen Regime mit allen Konsequenzen.

Ich bemühe mich meine Rechtskenntnisse stets weiter zu entwickeln sowie meine Fremdsprachenfertigkeiten zu vertiefen.

Meine Berufsvorbilder sind eindeutig einige berühmte US-amerikanische Rechtsanwälte. Diesbezüglich ist z.B. Clarence Darrow zu nennen, der ganze Reihe seiner Mandanten vor dem elektrischen Stuhl rettete und u.a. einen Lehrer verteidigte, der in der Schule die Evolutionstheorie unterrichtet hatte. Es ist offensichtlich, dass die Bedingungen in den USA und der Tschechischen Republik unterschiedlich sind. In den Vereinigten Staaten handelt es sich um ein ausgesprochen kontradiktorisches Verfahren, in dem die Verteidiger Zeugen vorladen, sie vernehmen und die Entscheidung von den Geschworenen gefällt wird. Dazu ist es jedoch zu sagen, dass auch in den USA nichts umsonst gekommen ist. Ihr Gerichtssystem mussten sich dort die Bürger selbst erkämpfen. Bis zur heutigen Zeit wird es jedoch angegriffen, verschiedene Interessensgruppen versuchen das Schwurgerichtssystem zu beseitigen, einige sogar die Verfassung abzuändern oder gar die ganze Bundesverfassung umzuschreiben. Trotzdem sind die amerikanischen Rechtsanwälte mein Vorbild. Sie verfügen über immense Kenntnisse, vor dem Jurastudium müssen sie bereits einen Hochschulabschluss haben. Sie haben einen enormen Wortschatz, hervorragendes Auftreten und kleiden sich sehr gut bis äußerst elegant an. Sie setzen sich für ihre Mandanten wirklich mit allen Kräften ein.

4. 5. 2016

judr@oldrichsevcik.cz
sevcik@shibboleth.cz